Wenn Blogs aus finanziellen Gründen eingestellt werden
Seit einer Stunde geistern eine Menge Tweets mit dem Wort “medienlese” durch Deutschland. Medienlese.com wird eingestellt, twittert, und schreibt Peter Hogenkamp, Chef von Blogwerk, einem “Onlineverlag für Weblogs”.
Ich habe medienlese bisher nicht gelesen, den ersten Reaktionen nach zu urteilen hingen aber eine Menge Leser an ihr. Einige Minuten nach der Meldung erfahre ich durch einen Trackback auf die “Ein Herz für Blogs” Aktion, dass Sachar von massenpublikum Spenden sammeln möchte, die das Blog oder zumindest die Serie 6 vor 9 finanziell retten sollen, und zwar durch eine fortlaufende Spende von 5 Euro monatlich. Im Beitrag erwähnt Sachar die Aktion “Ein Herz für Blogs”:
“…lasst uns beweisen, dass es nicht nur Social Media gibt sondern wir auch social denken, um Media zu retten. Lasst uns beweisen, dass die Aktion “Ein Herz für Blogs” nicht nur leere Worte waren.”
Ich frage mich, ob es das sein kann? Paid Content? Hatten wir das nicht schonmal? Und wie kann es eigentlich sein, dass ein Blog ausgerechnet auf Finanzierungsbasis scheitert? Die Frage ist natürlich rhetorisch gemeint. Blogwerk bezahlt seine Autoren dafür, dass sie die Blogs schreiben. Wenn kein (oder zu wenig Geld) eingenommen wird, dann kann damit auch niemand bezahlt werden, klar.
Aber irgendwas stört mich an diesem Spendenauruf. Klar, der Vergleich mit der Aktion oben hinkt. Klar kann man etwas bewegen. Aber, und das ist eine Frage die ich mir ja nun lange genug gestellt habe: Ist es ok, Blogs kommerziell zu betreiben? (Klar ist es das) Ist es ok, über das Ziel hinauszuschiessen? Autoren müssen bezahlt werden, was drüben auf stylespion.de der Hauptgrund ist, warum ich eben noch immer keine Gastautoren schreiben lasse. Ich muss zuerst die Kohle dafür haben, und dann kann ich etwas ausbauen.
Deshalb frage ich mich gerade, ob eine Spendenaktion der richtige Weg ist? Warum nicht die Seite einfach downshiften? Meinetwegen nur noch einen Autoren, meinetwegen ein offenes Blog daraus machen, meinetwegen… Es gäbe einige Möglichkeiten, das Blog weiter zu betreiben, doch verzögern Spenden die Schliessung nicht einfach nur?
Disclaimer: Dieser Beitrag soll die Sache nicht grundsätzlich schlecht reden, und es ist eine tolle Sache, dass der Versuch zur Rettung von außerhalb stattfindet. Ich schätze Peter und Blogwerk sehr. Sie haben eine gewisse Vorreiterrolle im deutschsprachigen Raum und wandeln da auf einem steinigen Weg.
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7 Reaktionen zu “Wenn Blogs aus finanziellen Gründen eingestellt werden”
Ich kann Ihre Argumentation nachvollziehen. Meine spontane Reaktion war (und ist es durchaus noch), medienlese.com mit Spenden zu unterstützen. Auf der anderen Seite verwundert es schon, dass die Schließung so kurzfristig und rigoros kommt. Sie haben ja schon ein paar andere Möglichkeiten aufgezeigt wie downshiften oder Autoren reduzieren…Das ganze wirkt rätselhaft. Bin gespannt, wie sich die Diskussion in den kommenden Tagen um medienlese.com entwickelt.
Kai, die Fragen, die Du stellst, sind durch die Bank berechtigt.
Und wenn man sich die Situation genau überlegt, dann ist medienlese kein Blog sondern ein klassisches Medium, die Autoren Angestellte. Insofern stimmt mein Zitat Deines Aufrufs “Ein Herz für Blogs” wirklich nicht.
Auf der anderen Seite arbeiten die Autoren von medienlese sehr dezentral und erinnern dabei eher an Blogger denn an klassische Journalisten.
Ob Paid Content im Netz funktioniert? Ich hoffe mal nicht. Ich mag die Kostenlos-Kultur. Sie prägt das Netz. Aber um solch qualitativ hochwertigen Angebote wie medienlese zu erhalten, mache ich gerne eine Ausnahme und starte nicht nur den Spendenaufruf, sondern spende auch selber. Das ist nun seit einigen Minuten möglich.
Typisch deutsch, wenn ein Blog zu Grunde geht, dann wird gleich nach Rettung gerufen und zu Spendenaktionen aufgerufen.
Kann ein System noch selbstregulierender sein als die Blogosphere? Woran kein Bedarf mehr besteht, das verschwindet eben. In den seltensten Fällen dürfte sich ein Blog durch Spenden retten lassen, es verlängert nur das sterben. Offenbar steht der Hang zum liebgewonnenen dem Darwinismus immer noch im Weg.
Nach der Rettung zu rufen ist ja nicht unbedingt schlecht. Es zeigt, dass ein Angebot auch eine Nachfrage hat. Nur, gehe ich beispielsweise die Kommunikation anders an. Ich binde meine Leser ein, vor jeder größeren Veränderung. Ein Blog/Magazin ist ohne Leser nur warme Luft - warum spricht man nicht mit ihnen über Veränderungen? Überlegt gemeinsam nach Lösungsansätzen etc.?
Die Blogwerk AG hat nicht nach Rettung gerufen, so ist es nicht. Ich hatte gefragt, ob eine Rettung überhaupt möglich sei.
Kai, ich bin ein großer Fan Deines Blogs. Aber Du darfst eins nicht vergessen: Du bist Einzelunternehmer, die Blogwerk AG ist ein Unternehmen, das mehrere Autoren beschäftigt. Ja, sie hätten ihre User fragen können. Auf der anderen Seite: Nein, sie hätten es nicht tun müssen. Wir kennen die Hintergründe nicht.
Uwe, ein Bedarf von Leserseite nach medienlese, ich denke, das ist aus den Kommentaren deutlich hervorgegangen, besteht. Dass die Werbewirtschaft darauf nicht anspringt, hat nichts mit Darwinismus zu tun, sondern mit Vorreitertum.
[...] verkündete, dass Blogwerk medienlese schließen wird, weil Blogwerk schlicht und einfach zu wenig Geld damit erwirtschaftet hat, wurde vielleicht einigen bewußt, dass nicht jedes Angebot im [...]
Blogs sind die neuen Tattoo-Studios, sie wachsen überall aus dem Boden und werden genauso schnell gepflückt.
Nur die Stärksten überdauern die Saison und verwelken wenn es an der Zeit ist =)
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