Konzertfotografie

Vom 13. Februar 2008, Kategorie(n): Fotografie

The Von Bondies

Da bei meinen Konzertfotos auf flickr schon ein paar Mal die Frage aufkam, wie ich sie geschossen habe, möchte ich hier ein paar Tipps oder Ideen (kein Tutorial) geben, wie ich zu den Ergebnissen gekommen bin. Ich möchte vorab betonen, dass die Fotos sicher nicht für den Mainstream taugen, genauso wenig wie es die meisten Bands auf den Fotos in den Mainstream schaffen. Die Fotos sind meistens in kleinen Clubs entstanden, wo die Lichtsituation recht schwierig zu handlen ist.

Mein Ziel ist es, die Stimmung des Konzertes festzuhalten. Es gibt Musiker, die sich konstant auf der Bühne bewegen und es gibt die umgekehrte Situation, dass Musiker sich ganz und gar auf ihre Musik konzentrieren, und dabei jegliche Showelemente meiden. Beides hat seinen Reiz.

Typisch bei Konzerten

Unsere Ausgangssituation sollte in der Regel folgende sein: grundsätzlich wenig Licht, durch die Lightshow sich fortlaufend verändernde Lichter, und ein sich ständig veränderndes Motiv (der/die Künstler).

Belichtungszeit

Das heißt wir brauchen, um anständige Fotos hinzubekommen, eine Belichtungszeit von maximal 1/60 Sek oder kürzer. Diese Verschlusszeit sollte auch genügen, um unser (sich wahrscheinlich ständig bewegendes) Motiv halbwegs scharf abzubilden.

Cedarwell

Blende

Wer sich Konzertfotos ansieht, wird schnell feststellen, dass auch hier eine Regel zutrifft: So nah ran wie möglich. Bei Konzerten stehen, hängen und liegen überall Sachen rum, das kann (muss aber nicht) die Wirkung des Fotos schmälern, weil es vom eigentlichen Motiv ablenkt.
Ein weiterer Vorteil: Man kann die Blende weit öffnen, um mehr Licht einzufangen. Eine weit geöffnete Blende (kleiner „f“ Wert) bedeutet aber auch eine geringere Schärfentiefe. Also werden im Ergebnis nur sehr wenige Bereiche wirklich scharf sein. Das stört aber nicht, im Gegenteil: wenn die richtigen Elemente (Augen!) scharf sind, schafft es mehr Stimmung.

Tipp:

Wenn ich von einer weit geöffneten Blende spreche, also einem kleinen Blendenwert, dann meine ich wirklich weit. Es gibt sowohl von Nikon als auch von Canon sehr preisgünstige Objektive mit Festbrennweite (50mm) die auf einen Blendenwert von f 1.8 gehen. Die Dinger kosten knapp über 100 Euro und sind wirklich jeden Cent wert.

Animal Five

ISO-Angabe

Selbst bei einer Blende von f 1.8 und einer Belichtungszeit von 1/60 Sec werden wir mit 100 ISO noch keine brauchbaren Ergebnisse erzielen können. Die Konzertfotos werden zu dunkel sein. Deshalb schraube ich den ISO-Wert so hoch wie es geht, ohne dabei ein zu starkes Bildrauschen zu bekommen. Sowohl bei meiner alten D40, als auch bei der D80 liegt die vertretbare Grenze im Bereich von ISO 800.

The Von Bondies

Belichtungsmessung / Metering Mode

Bedingt durch die Lightshow und die sich schnell verändernde Position des Motives, habe ich die Variante des „Spot Metering“ als am brauchbarsten für mich gefunden. Das heißt, die Kamera führt die Belichtungsmessung nur auf dem Punkt durch, auf den ich den Focus eingestellt habe. Diese Einstellung kann aber durchaus dazu führen, dass beispielsweise der Hintergrund völlig überbelichtet wird wenn ein Scheinwerfer plötzlich hinter dem Musiker aufblendet.

Jose Gonzalez

Kameramodus

In der Regel arbeite ich auch bei Konzerten in meinem Lieblingsmodus Blendenvorgabe / Aperture Priority.
Das heißt, man gibt der Kamera eine Blende vor (in meinem Falle meistens f 1.8) und die Automatik der Kamera ermittelt die benötigte Verschlusszeit.
Ideale Ergebnisse würde man sicher mit einer komplett manuellen Einstellung erzeugen können – doch werdet ihr selbst feststellen, dass sich die Lichtverhältnisse einfach zu schnell ändern, um die notwendigen Einstellungen rechtzeitig zur Hand zu haben.

Dauerfeuer

Ergibt sich ein gutes Motiv, bleibt der Finger meist auf dem gedrückten Auslöser und die Kamera schießt von derselben Situation mehrere Bilder. Grund hierfür ist einmal mehr die Geschwindigkeit. Es kann gut sein, dass die Kamera erst beim zweiten oder dritten Auslösen brauchbare Werte gefunden hat. Ganz abgesehen von der Chance, dass man in Sekundenbruchteilen völlig unterschiedliche Gesichtsausdrücke und Gesten festhalten kann.

Blitz

Zum Abschluß noch etwas zum Thema Blitz:

Auslassen.

Nein im Ernst: Das blitzen nervt die Musiker und die Gäste. Wer sich mit seinem Blitz auskennt, kann sicher Einiges rausholen, doch auf den kleinen Clubkonzerten würde ich es lassen. Es lassen sich aber durchaus nette Effekte erzielen, wenn man den Blitz auf den letzten Verschlussvorhang aktiviert – das sieht dann ungefähr so aus:

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Fotocredit: Orgasmatron (flickr)

Zusammenfassend noch mal die einzelnen Parameter:

Kameramodus: Blendenvorgabe / Aperture Priority
Blende: weit offen / kleiner Blendenwert (z.B. f1.8)
ISO-Wert: ziemlich hoch, bei mir 800
Metering: Spot
Autofokus auf Einzelfeldmessung

Vielleicht kann jemand mit diesen Angaben etwas anfangen. Wie in vielen Bereichen gilt auch bei der Konzertfotografie, dass es keine richtige oder falsche Vorgehensweise geben kann, solange das Ergebnis stimmt. Der beschriebene Weg ist lediglich das, was ich für meine Konzertfotos mache.
Ich bin auf eure Anregungen gespannt.

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Weiter lesen

Ich habe in meinen Bookmarks noch ein paar Quellen gefunden, die sich dem Thema Konzertfotografie ebenfalls widmen:

Auf Boudist.com hat der auf Konzerte spezialisierte Australier Daniel Boud seine Concert Photography Masterclass veröffentlicht.
Auf CameraPorn.net gibt es zwei Artikel zum Thema Fotografieren bei Konzerten: Concert Photography ain’t easy but it sure is fun und More Thoughts on Concert Photography.

Bei Martin gibt es einen Gastartikel von Michael Schmid: Hilfreiche Tipps zur Konzertfotografie

Tags:, , , , , , ,

8 Reaktionen zu “Konzertfotografie”

  1. […] bei flickr machen auch sehr schnell deutlich, was die professionelle Konzertfotografie von der Amateur-Konzertfotografie unterscheidet. Tags:Foto, Fotograf, Fotografie, […]

    Nochmal Konzertfotografie
  2. Muahaha, da muss ich doch noch schnell einen Tipp loswerden, zu dem Martin dir bei Gelegenheit die Geschichte erzählen kann.
    Als Fotograf hört man irgendwann das Auslösegeräusch der Kamera nicht mehr. Das wird ein Problem, wenn man bei kleinen, sehr ruhigen Konzerten Dauerfeuer macht, weil irgendwann der Künstler ausrasten könnte.

    Johannes
  3. Kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass man das irgendwann nicht mehr hört :) Bei Ron and Wine in der KulturKIRCHE war das jedenfalls heftigst zu hören - was den “Profi” aber nicht abgehalten hat, selbst in den ruhigsten Parts draufzuhalten. Fremdschämen…

    Kai Müller
  4. Danke für die Offenlegung Deiner Vorgehensweise :)

    Ich versuche mich nun schon seit einiger Zeit an Club-Fotos, sowohl von Gästen als auch von Bühne. Das lichtstarke Objektiv fehlt mir noch, jedoch hat mir ein netter Fotograf mal ein Profil auf meiner EOS 400D eingerichtet, mit dem ich selbt mit dem Standard Objektiv (EF-S18-55) recht brauchbare Bilder hinbekommen habe. Das Dauerfeuer und ein Blitz waren jedoch Pflicht, was nicht so gut ankam ;)

    Das 1.8′er kommt im Sommer, ich bin echt schon auf die Ergebnisse gespannt.

    dfusion
  5. Ich geh genauso vor. Was ich aber immer mache, ist ein manueller Weißabgleich. Grad bei rotem Licht ist der unverzichtbar, sonst bekommt man nur rotes Gematsche. Zum Teil speichere ich auch 2 manuelle Werte ein (rot und blau zum Beispiel), da läst sich noch recht schnell hin und her schalten.
    Aber die Bilder eines Freundes, der nicht ohne sein 1.4er aus dem Haus geht, sind nahezu unübertrofen!

    denken
  6. Eine regelrechte Erholung mal Konzertbilder von einem talentierten Fotografen zu sehen der auch richtig arbeitet. Hochachtung, beste Grüße aus Hamburg

    Holger
  7. […] einen sehr guten Blogpost zur Konzertfotografie von “Stylespion” Kai Müller ans Herz legen. Er gibt darin so eine Art Tutorial. Ist wirklich empfehlenswert, bis auf die Einschränkung […]

    Grainy and contrasty
  8. […] sie aus Wenn Du besondere Events wie ein Fussballspiel, ein Konzert oder ein leckeres Essen vor Dir hast, dann nimm sie ruhig mit. Gerade wenn ihr noch nicht lange […]

    Fotografieren und Deine Kamera - ein spannende Beziehung | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel

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